Ludwig-Erhard-Schule

Ludwig-Erhard-Schule

Erweiterung und Sanierung Schulgebäude

Für die in einer engen räumlichen Einheit mit dem Kantgymnasium liegende Ludwig-Erhard-Schule wurde ein zusätzlicher Flächenbedarf von 1.000 m2 Klassenraum zzgl. Nebenflächen festgestellt. Da das Hauptgebäude keine Erweiterungsmöglichkeiten hat, Synergieen der beiden Schulen untereinander bereits seit Jahren genutzt wurden und außerhalb des Schulareals keine zusätzlichen Flächen realisierbar waren, sollten die zusätzlichen Flächen durch eine Erweiterung des aus den 60-er-jahren stammenden Pavillons auf der dem Hauptgebäude gegenüber liegenden Hofseite geschaffen werden. Es war jedoch erforderlich den Pavillon während der Arbeiten uneingeschränkt für den Schulbetrieb zu erhalten.

  • Kategorie Bauen im Bestand: Deutscher Holzbaupreis 2009
  • Auszeichnung Hugo-Häring-Auszeichnung 2011 BDA Kreisgruppe Karlsruhe

 

Leistungszeitraum: 2002 – 2012
Leistungsphasen: Lph 2 – 9 entsprechend § 15 HOAI
Typologie: Erweiterung und Sanierung Schulgebäude
Bauherr: Hochbauamt Stadt Karlsruhe
Brutto-Rauminhalt (BRI): 15.180 m3
Brutto-Grundfläche (BGF): 3.845 m2

Konzept

Eine Aufstockung des Pavillons um ein Vollgeschoss (Holzbau) und ein großteils aufgeständerten Erweiterungsbau mit 4 Vollgeschossen (Stahlbeton) verringern die nutzbare Hoffläche nur in geringem Umfang und nutzen die in ihrer Anlage groß bemessenen Treppen des Pavillons. Der „Lichthof“ zwischen Bestand und Anbau ermöglicht eine natürliche Belüftung und Belichtung der Klassenräume. Gleichzeitig gewährleistet er, dass die bereits bestehenden Klassenräume uneingeschränkt und auch während der Bauzeit weiter genutzt werden können.

Aufstockung

Die Aufstockung ist als eigenständige, aufgesetzte Konstruktion konzipiert, die über die Verlängerung der vorhandenen Treppen erschlossen wird und 4 Klassenräume sowie eine Sonderklasse (Übungsfirma) beinhaltet. Die Holzkonstruktion wird außenseitig mit hinterlüfteten Fassadenkonstruktionen aus Blech oder Sperrholz verkleidet.

Anbau

Der Anbau hat 4 Vollgeschosse (EG-3. OG) und schließt mit der Aufstockung auf gleicher Höhe ab. Analog zum Achssystem des Bestandes werden hier in den Obergeschossen insgesamt 6 große Klassenräume geschaffen. Im Erdgeschoss befinden sich zusätzliche Sanitäranlagen. Der Zugang erfolgt über eines der Treppenhäuser und die neu erstellte Verbindungsbrücke, die auch als geschützter Pausenbereich fungiert.

Massivholzkonstruktion / Aufstockung

Aufgrund der geringen Belastbarkeit des bestehenden Pavillons, war eine Aufstockung nur in Form einer Leichtbaukonstruktion möglich. Nach Prüfung verschiedener Konstruktionen wurde beschlossen, die Raumflächen als reine Holzkonstruktion zu realisieren. Nur die zum Ausgleich der Bautoleranzen und der gegeneinander verschobenen Achssysteme des alten Pavillons erforderliche Zwischenlage sollte aus wirtschaftlichen Gründen als Stahlbau ausgeführt werden. In der Umsetzung entschied man sich für die Verwendung der Massivholzelemente der Firma Finnforest-Merck. So war es möglich, innerhalb kürzester Zeit eine vollständig geschlossene und wetterdichte Gebäudehülle zu errichten. Da es sich hierbei um Elemente mit erheblicher Scheibentragwirkung handelt, konnte auch der Stahlträgerrost nochmals stark vereinfacht werden, da Achsverschiebungen im Bestand durch den Holzbau ausgeglichen wurden. Gleichzeitig sollten die Wände mit ihrer für eine Leichtbaukonstruktion hohen Masse als thermisch aktiver Puffer genutzt werden. In Folge wurden die Wandelemente mit einer werksseitig aufgebrachten Sichtoberfläche gefertigt und eingebaut. Durch die zusätzliche Verwendung von in den Decken integrierten Latentwärmespeichern und die Realisierung einer Nachtentwärmung über Querülftung ist es gelungen, ein den Tag über ausgeglichenes Raumklima herzustellen. Die aus schalltechnischen Gründen erforderliche Mehrschaligkeit der Innenraumwände konnte durch Dopplung der Massivholzelemente ähnlich einer Haustrennwand erfolgen.

Holzplattenfassade (Bootsbausperrholz)

Durch die Enge des Schulhofes und die somit zu erwartende ausgeprägte Präsenz des neuen Gebäudes wurde von vornherein eine Fassadengestaltung gesucht, die sowohl durch eine warme, rötliche Farbe eine Verbindung zu den beiden Sandsteinbauten der Ludwig-Erhard-Schule und des Kantgymnasiums herstellt, so eine räumliche Einheit definiert, als auch mit einem warmen und freundlichen Charakter die Hofatmosphäre prägt. Als geeignetes Material wurden schließlich großflächige Platten aus Bootsbausperrholz ausgewählt. Die ursprünglich im Bootsbau verwendeten Sperrhölzer werden durch einen mehrschichtigen Lasurauftrag geschützt. Die Fassade ist als vorgehangene, hinterlüftete Fassadenkonstruktion ausgebildet und konnte an den Hoffassaden des Anbaus, wie der Aufstockung ohne sichtbare Unterschiede ausgebildet werden. Die vollständig vorgefertigten und beschichteten Platten werden sichtbar mit VA-Schrauben auf der Aluminiumunterkonstruktion verschraubt. Analog zur Außenseite der Fassaden wurden auch die Innenseiten mit dem selben Holz verkleidet. Das Material wirkt so gleichermaßen in den Hof wie in die Klassen hinein. Es entsteht eine Verbindung zwischen Innenraum und Außenraum.

Elementplanung Fassade

Durch die flächige Verkleidung der geschlossenen Lüftungsflügel wird die Fassade primär durch die ca. 9 m2 großen Festverglasungen strukturiert. Die daneben angeordneten Lüftungsflügel sind ebenengleich in die Fassadenverkleidung integriert und daher nicht gestaltbildend. Die unterschiedliche Ausrichtung der Maserung der Deckhölzer verdeutlicht die Tektonik der Fassade und erzeugt ein belebtes Lichtspiel. Zuschnitt und Anordnung der Platten im Innenraum entsprechen der Fassadenaußenseite.