Heinrich-Hertz-Schule

Heinrich-Hertz-Schule

Sanierung und Erweiterung / Wettbewerb

Das Hauptgebäude der Heinrich-Hertz-Schule zeigt sich als großformatiger, kubischer Baukörper, der sich stadträumlich markant zur Brauerstraße hin abbildet und durch seine freie Stellung im Umfeld das aus 4 solitären Schulbauten bestehende Areal dominiert. Die Veränderungen am Bauwerk und der geplante Erweiterungsbau wahren diesen Charakter, verändern durch ihre differenzierten Eingriffe nur die Art der Ausgestaltung, verleihen dem Bauwerk wie dem Umfeld eine neue Wahrnehmung ohne die bauzeitliche Grundhaltung zu verunklaren.

Platzierung: 2. Platz
Leistungsphasen: Lph 1 – 2 nach HOAI
Typologie: Sanierung und Erweiterung Schulgebäude
Bauherr: Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft
Brutto-Rauminhalt (BRI): 10.048 m3
Brutto-Grundfläche (BGF): 2.633 m2

Städtebau und Außenraum

Das Areal zwischen Brauerstraße/Südendstraße/Steinhäuserstraße und Hermann-Veit-Straße bildet den Endpunkt des sich zunehmend verdichtenden Stadtteils rund um den Hallenbau von ZKM/HfG/Städt. Galerien sowie des Beiertheimer Feldes. Es ist geprägt durch 4 Schulen mit sehr unterschiedlichen Bauformen und Gebäudestrukturen, die frei auf diesem Areal platziert sind und untereinander keine strukturellen Verbindungen aufweisen.

In konsequenter Weiterführung wird parallel zum Hauptgebäude der Heinrich-Hertz-Schule eine in die Fläche führende Raumstruktur/Raumfolge entwickelt, die beginnend mit einer neu geformten Eingangssituation entlang der Südendstraße die verschiedenen Bezüge des Baukörpers zum Umfeld thematisiert und auch den von der Straße abgerückten Erweiterungsbau außenräumlich einbindet. Durch die Überlagerung dieser Bezüge entsteht zudem eine räumliche Verdichtung, die entlang dem Hauptgebäude ihren Schwerpunkt bildet und somit zur Brauerstraße hin Freiraum für eigenständige Nutzungen (Jugendhaus) gewährleistet. Gleichzeitig entwickeln sich Nutzungen aus den Erdgeschossen von Hauptbau und Erweiterung in den Außenraum hinein, verbinden Innen und Außen.

Gebäudestruktur + Nutzung

Der großformatige Baukörper des Hauptgebäudes bleibt in seiner Kubatur und Dominanz im Stadtraum unverändert. Der im Verhältnis deutlich kleinere Neubau ist ebenfalls als eigenständiger Körper ausgebildet, setzt städtebaulich jedoch keine Gegenakzente zum Hauptbau.

Die Grundstruktur des 6-geschossigen Hauptbaus erweist sich als sehr vorteilhaft und bleibt nahezu unverändert: Das überhöhte Erdgeschoss bildet mit seinen offenen Strukturen und Außenbezügen das kommunikative Zentrum und weist keine unterrichtsbezogenen Elemente auf. Die Obergeschosse sind als 2-Bund ausgebildet. Die Vertikalerschließungen teilen die Obergeschosse in drei Abschnitte, die in idealer Weise den neu gegliederten Raumnutzungen/Abteilungen entsprechen und die Erschließungswege minimieren. Die Verlegung der Sanitärzellen neben die Treppenhäuser schließt die Raumfolgen entlang der Ostfassade (Sammlungsräume) und ermöglicht die Anbindung des Neubaus an den südlichen Treppenraum des Hauptgebäudes. Gleichzeitig stehen sie jetzt in räumlichen Zusammenhang zu den Sonderbereichen zwischen den Treppen entlang der Westfassade, in denen die Lehrerarbeitsräume, Lehrerzimmer, sowie Aufenthaltsflächen zentral angeordnet sind. Das Gliederungsprinzip wird ebenso im 4-geschossigen Neubau umgesetzt:

Die Schülerbibliothek und die SMV bilden im Erdgeschoss einen klassenübergreifenden, offen gestalteten Bereich mit bewusst ausformulierten Außenbezügen zum neu entstandenen Forum. In den Obergeschossen sind die Unterrichtsräume 3-seitig um eine zentrale Erschließungsfläche mit eingestelltem Sanitärkern herum angeordnet und auf die Abteilungsgrößen zugeschnitten. Die Anbindung an das Hauptgebäude erfolgt im 1. und 2. OG über eine verglaste Brückenkonstruktion, so dass auch hier kurze Erschließungswege sowie eine direkte Anbindung an Verwaltung/Lehrerzimmer im 1. OG des Hauptgebäudes gegeben sind. Die kompakte Bauform ist Voraussetzung für einen optimalen A/V-Wert.

Bauausführung/Bauabschnitte

Die Ausbildung des Neubaus als eigenständiger Baukörper ermöglicht eine vom Unterrichtsbetrieb im Hauptgebäude unabhängige Erstellung. Die in den weiteren Bauabschnitten entfallenden Räume des Hauptbaus können durch Nutzung des im 1. BA fertig gestellten Neubaus zum großen Teil ausgeglichen werden, so dass die kostenintensive Anmietung von Ersatzräumen minimiert werden kann. Bedingt durch die vom Keller aus aufsteigenden TGA-Trassen ist eine vertikale Trennung der Bauabschnitte im Hauptgebäude vorgesehen.

Baukonstruktion/Vorfertigung

Grundgedanke des Entwurfes ist ein erweiterter Effizienzbegriff, der auch auf den baukonstruktiven Bereich angewendet wird: Eine an die Bausubstanz angepasste Raum- und Flächennutzungen in Verbindung mit dezentralen Lüftungseinheiten und Niedrigtemperaturheizsystemen ermöglichen es, den Rohbau aus Stahlbeton nahezu unverändert zu belassen. Die für die neue Haustechnik erforderlichen Räume und Speicher werden im UG des Neubaus realisiert. Zusätzlich wird die Bauzeit vor Ort durch modulare, vorfabrizierte Fassadenelemente, Trennwandelemente und Deckensegel reduziert, in die auch die meisten technischen Komponenten integriert sind (Lüftung, Heizung/Kühlung, Belichtung, Schallabsorbtion). Gleichzeitig entwickelt der Entwurf hieraus seine ästhetisch- architektonischen Grundlagen: Die Grundstruktur und somit auch die Kubatur und Gliederung des Baukörpers bleibt erhalten und wird im Innenraum durch freiliegende Konstruktionselemente wie Deckenuntersichten und Stützenfluchten erlebbar. Neu eingebrachte Bauteile wie Fassadenelemente, Flurtrennwände und Deckensegel sind als eingestellte, modular strukturierte Elemente gestaltet. Das Zusammenspiel bauzeitlicher Grundstrukturen mit modernen Elementen des Innenausbaus und der Gebäudetechnik erzeugt im Innenraum wie in der Fassade ein vielschichtiges, collagiertes Gesamtbild, das klar gegliedert, aber niemals ästhetisch-autoritär ist. Das eindeutig der Entstehungszeit zugeordnet werden kann, aber nicht auf zeitgemäße Gestaltung verzichtet. Die Verwendung verschiedener, möglichst sortenreine Materialien wie Kupfer (Fassade), Holz (Fenster + Flurtrennwände), Aluminium (Deckensegel) und farbigem Linoleum sind Sinnbild für die elektrotechnische Ausrichtung der Schule, werden positiv wahrgenommen und tragen ein Übriges dazu bei.